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Was können diese Behandlungen bei ME/CFS und Long COVID leisten – und was ist noch offen? Ich unterstütze Sie dabei, Befunde, Studienergebnisse und mögliche Therapieangebote im Zusammenhang mit Ihrer persönlichen Situation einzuordnen.
Plasmaaustausch, Immunadsorption und intravenöse Immunglobuline sind unterschiedliche Verfahren. Für ihre routinemäßige Anwendung gegen ME/CFS oder Long COVID ist ein verlässlicher Nutzen bisher nicht ausreichend belegt. Positive Ergebnisse einzelner kleiner Studien stehen auch negativen kontrollierten Untersuchungen gegenüber.
Entscheidend sind Ihre Beschwerden, mögliche zusätzlich behandelbare Erkrankungen und eine sorgfältige Abwägung von Nutzen, Risiken und Belastung. Die Durchführung solcher spezialisierten Behandlungen erfordert ein entsprechend ausgestattetes Zentrum.
Beim therapeutischen Plasmaaustausch wird der flüssige Anteil des Blutes entfernt und durch eine Ersatzlösung ersetzt. Bei der Immunadsorption wird das Plasma über spezielle Adsorber geleitet, die insbesondere Antikörper binden. Intravenöse Immunglobuline (IVIG) sind dagegen eine Infusionsbehandlung mit aufbereiteten Antikörpern aus Spenderplasma. Diese Verfahren unterscheiden sich in ihrer Wirkung und ihren Risiken; Studienergebnisse sind deshalb nicht beliebig übertragbar.
Bei einem Teil der Betroffenen werden Veränderungen des Immunsystems und Autoantikörper beschrieben. Daraus entstand die Hypothese, dass eine Entfernung bestimmter Antikörper oder eine Beeinflussung der Immunantwort Beschwerden verbessern könnte. Ein erhöhter Antikörperwert allein belegt jedoch weder die Ursache der Erkrankung noch, dass eine solche Behandlung helfen wird.
Plasmaaustausch bei Long COVID: In einer 2025 veröffentlichten randomisierten Studie erhielten 50 Menschen sechs Behandlungen mit Plasmaaustausch oder einer Scheinbehandlung. Bei den untersuchten Beschwerden, der Funktionsfähigkeit und der Lebensqualität zeigte sich bis zur Nachbeobachtung nach 90 Tagen kein Vorteil des Plasmaaustauschs. Das Ergebnis gilt für das untersuchte Behandlungsschema und die eingeschlossene Gruppe; es beweist nicht, dass jede denkbare Untergruppe gleich reagieren muss. [1]
Immunadsorption bei Post-COVID-ME/CFS: Eine kleine unkontrollierte Kohortenstudie berichtete bei einem Teil ausgewählter Betroffener mit erhöhten β2-Rezeptorautoantikörpern über Verbesserungen. Ohne Vergleichsgruppe bleibt offen, wie viel davon auf die Behandlung zurückzuführen ist. Solche Ergebnisse begründen weitere Forschung, aber noch keine verlässliche Empfehlung für den Alltag. [2]
Neue kontrollierte Daten von 2026: In der IAMPOCO-Studie mit 40 Menschen mit Post-COVID-Syndrom verringerte die Immunadsorption zwar die gemessenen Autoantikörper, verbesserte die Symptomlast aber nicht stärker als die Scheinbehandlung. Unter Immunadsorption wurden mehr unerwünschte Ereignisse dokumentiert. Ein besserer Laborwert bedeutete in dieser Studie also keine nachgewiesene klinische Besserung. Die untersuchte Post-COVID-Gruppe ist nicht mit allen Menschen mit ME/CFS gleichzusetzen. [3]
IVIG und Kombinationen: Zu IVIG bei CFS gibt es bereits ältere randomisierte Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen; eine Studie mit 99 Erwachsenen zeigte keinen Nutzen. Eine kleine Pilotstudie von 2025 zu Plasmaaustausch und IVIG untersuchte Zusammenhänge zwischen Autoantikörpern und Lebensqualität, liefert aber keinen belastbaren Nachweis für die Wirksamkeit der Kombination. Für eine routinemäßige Behandlung von ME/CFS lässt sich daraus keine gesicherte Empfehlung ableiten. [4–6]
Die bisherigen kontrollierten Ergebnisse sprechen gegen einen routinemäßigen Einsatz dieser Verfahren allein wegen ME/CFS oder Long COVID. Zugleich werden mögliche Untergruppen weiter erforscht. Ob ein individueller Behandlungsversuch vertretbar ist, muss ein spezialisiertes Zentrum anhand der konkreten Diagnose, der Datenlage und Ihrer Risiken beurteilen. Wenn möglich, bietet die Teilnahme an einer geeigneten klinischen Studie einen geregelten Rahmen.
Besteht zusätzlich eine eigenständige Erkrankung, für die beispielsweise IVIG oder Plasmaaustausch etabliert sind, ist das eine andere medizinische Situation. Eine solche Indikation wird gesondert fachärztlich abgeklärt. Ein einzelner Autoantikörpertest ersetzt diese Abklärung nicht.
Zu den möglichen Risiken von Plasmaaustausch und Immunadsorption gehören Blutdruckabfall, Veränderungen von Elektrolyten und Gerinnung sowie Blutungen oder Infektionen im Zusammenhang mit dem Gefäßzugang. IVIG können unter anderem Kopfschmerzen und Infusionsreaktionen verursachen; selten treten schwerwiegende Komplikationen wie Thrombosen oder Nierenschäden auf. Art und Ausmaß der Risiken hängen vom Verfahren und Ihrer Ausgangssituation ab. [7–8]
Bei ME/CFS müssen auch Anfahrt, Dauer und wiederholte Behandlungstermine berücksichtigt werden. Bei Post-Exertional Malaise (PEM) kann schon die damit verbundene Belastung eine Verschlechterung auslösen. Ein Behandlungskonzept sollte Ihre Belastungsgrenzen, Pausen und die Versorgung nach den Sitzungen ausdrücklich einplanen.
Die Kosten unterscheiden sich nach Zentrum, Verfahren und Anzahl der Behandlungen. Lassen Sie sich vorab einen schriftlichen Gesamt-Kostenvoranschlag einschließlich Voruntersuchungen und Nachbetreuung geben. Ob eine Versicherung Kosten übernimmt, hängt von der konkreten Indikation und ihrer Entscheidung ab und sollte vor Behandlungsbeginn schriftlich geklärt werden.
Ich nehme Ihre Beschwerden und den Wunsch nach einer wirksamen Behandlung ernst. Gemeinsam sichten wir vorhandene Befunde, ordnen auffällige Laborwerte ein und besprechen ein vorliegendes Therapieangebot: Welche Ergebnisse werden erwartet, wie belastbar sind die Daten und welche Fragen sollten Sie dem behandelnden Zentrum stellen?
Mein integrativer Ansatz verbindet allgemeinmedizinische Abklärung, gezielte Zusammenarbeit mit Laboren und die Behandlung nachgewiesener Mängel oder Begleiterkrankungen mit psychosomatischer und ärztlich-psychotherapeutischer Begleitung. Meine achtjährige Ausbildung in psychosozialer, psychosomatischer und psychotherapeutischer Medizin sowie meine Ausbildung in systemischer Familientherapie fließen dabei ein.
In den Gesprächen haben auch Unsicherheit, Ängste, Enttäuschungen nach bisherigen Behandlungen und die Auswirkungen auf Familie und Beruf Raum. ME/CFS wird dabei als körperliche Erkrankung ernst genommen. Gemeinsam legen wir erreichbare Ziele fest, berücksichtigen Ihre Belastbarkeit und klären, wann weitere fachärztliche Unterstützung sinnvoll ist.
Diese Seite dient der Information über spezialisierte Verfahren. Mein hier beschriebenes Angebot umfasst die ärztliche Einordnung und Begleitung; die Entscheidung über eine Apheresebehandlung und deren Durchführung liegen beim spezialisierten Zentrum.
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Weiterlesen: Integrative Behandlung bei ME/CFS und Long COVID
Stand der Einordnung: September 2026. Die folgenden Quellen umfassen kontrollierte Studien, eine Beobachtungsstudie, eine Pilotstudie und Informationen zu den Verfahren.
[1] Plasmaaustausch: randomisierte Studie bei Post-COVID, 2025.
[2] Immunadsorption: Kohortenstudie bei Post-COVID-ME/CFS, 2024/2025.
[3] IAMPOCO: Immunadsorption versus Scheinbehandlung, 2026.
[4] IVIG: placebo-kontrollierte Studie mit positivem Ergebnis, 1990.
[5] IVIG: placebo-kontrollierte Studie ohne Wirksamkeitsnachweis, 1997.
[6] Plasmaaustausch und IVIG: Pilotstudie, 2025.
[7] Plasmaaustausch: Patienteninformation des Universitätsklinikums UCLH.
[8] IVIG: Arzneimittelinformation der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).