ME/CFS: LABORDIAGNOSTIK, ANTIKÖRPER UND PLASMAPHARESE

Warum können erweiterte immunologische Untersuchungen sinnvoll sein?

Bei komplexen Krankheitsbildern wie Long COVID, Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) und anhaltender Erschöpfung zeigen sich häufig funktionelle Störungen immunologischer Regulationsmechanismen, die mit routinemäßigen Standardlaboruntersuchungen nicht zuverlässig erfasst werden.¹

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass bei diesen Erkrankungen keine klassische Organschädigung, sondern vielmehr dynamische Veränderungen des Immun-, Nerven- und Energiestoffwechsels vorliegen, die sich nur teilweise in konventionellen Laborparametern widerspiegeln.²

Erweiterte immunologische Untersuchungen verfolgen daher nicht das Ziel einer unspezifischen Ausweitung der Diagnostik, sondern dienen der hypothesengeleiteten Einordnung komplexer Symptomkonstellationen. Insbesondere nach Infektionserkrankungen können persistierende Immunaktivierungen, funktionelle Immunabweichungen oder fehlregulierte Immunantworten bestehen, ohne dass eindeutige Entzündungsmarker nachweisbar sind.³

Die Aussagekraft solcher Untersuchungen ist dabei untrennbar an eine sorgfältige klinische Anamnese gebunden. Erst unter Berücksichtigung des zeitlichen Verlaufs der Beschwerden, vorausgegangener Infektionen, individueller Belastungsfaktoren sowie biographischer und lebensstilbezogener Aspekte kann entschieden werden, ob und welche erweiterten immunologischen Laborparameter medizinisch sinnvoll sind.⁴

Ziel der erweiterten Labordiagnostik ist es somit nicht, möglichst viele Werte zu erheben, sondern klinisch relevante immunologische Ungleichgewichte zu identifizieren, die zur Persistenz von Erschöpfung, Belastungsintoleranz und vegetativen Symptomen beitragen können. Die Diagnostik soll dabei zielgerichtet, verhältnismäßig und therapeutisch relevant bleiben.⁵



Fußnoten / Literatur

  1. Komaroff AL, Lipkin WI. Insights from myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. JAMA. 2021;325(9):866–868.

  2. Institute of Medicine. Beyond Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: Redefining an Illness. National Academies Press; 2015.

  3. Proal AD, VanElzakker MB. Long COVID or post-acute sequelae of COVID-19 (PASC): An overview of biological factors. Frontiers in Microbiology. 2021;12:698169.

  4. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). ME/CFS guideline NG206. 2021.

  5. Komaroff AL. Advances in understanding the pathophysiology of chronic fatigue syndrome. JAMA. 2019;322(6):499–500.



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Spezial Labore

Nicht alle funktionellen Störungen sind ausschließlich über Laborwerte objektivierbar. So können z. B. Parameter der mitochondrialen Energiegewinnung laborchemisch erfasst werden, während sich Einschränkungen der Energieverfügbarkeit für Betroffene oft bereits deutlich subjektiv bemerkbar machen – etwa in Form von rascher Erschöpfbarkeit oder Belastungsintoleranz.

Die Labordiagnostik dient in solchen Fällen nicht dem Beweis des Leidens, sondern der biologischen Einordnung, Priorisierung und therapeutischen Orientierung.

Lymphozytensubtypisierung und Virusdiagnostik – wozu?

Die Lymphozytensubtypisierung untersucht bestimmte Untergruppen von Immunzellen.Sie kann Hinweise auf eine anhaltende oder fehlregulierte Immunantwort geben und dabei helfen, das Beschwerdebild besser einzuordnen.

Virus-Serologien (z. B. EBV) werden nicht routinemäßig, sondern gezielt eingesetzt, wenn der klinische Verlauf darauf hindeutet,dass frühere Infektionen weiterhin eine Rolle spielen könnten.

Alle Ergebnisse werden immer im Zusammenhang mit Ihren Symptomen und Ihrer Vorgeschichte interpretiert.

Ziel der erweiterten Diagnostik

Ziel ist es nicht, möglichst viele Werte zu erheben,sondern relevante Ungleichgewichte zu erkennen, die zur Erschöpfung beitragen können.

Die Diagnostik soll:

  • sinnvoll und leistbar bleiben

  • eine therapeutische Konsequenz haben

  • und dazu beitragen, die körpereigenen Regulationssysteme zu stabilisieren



Spezialanalytik - Kooperationslabore

In ausgewählten Fällen können weiterführende Laboranalysen erforderlich sein, um ein personalisiertes Therapiekonzept zu erstellen.

Diese Analysen werden stets kombiniert mit:

  • einer detaillierten ärztlichen Anamnese

  • einer umfassenden körperlichen Untersuchung

Sie ermöglichen eine gezielte Anwendung von Mikronährstoffen, Antioxidantien und pflanzlichen Inhaltsstoffen im Rahmen eines individuell abgestimmten Therapieschemas.

Zusammenarbeit mit folgenden Laboren:



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Spezial Labor in Österreich

    Labor Dr. Josef Renner – Wien

    Leistungsspektrum:

    • Mikronährstoffanalysen

    • Bestimmung freier Radikale & oxidativer Stressmarker

    • Umwelttoxikologie

    • Genetische Testverfahren

    • Routinelaboranalysen

    

    Labor Dostal – Wien

    Leistungsspektrum:

    • Mikronährstoffdiagnostik

    • Oxidativer Stress & freie Radikale

    • Umwelttoxikologische Untersuchungen

    • Genetische Analysen

    • Routinelaboranalysen

    

    Genetikum Wien

    Leistungsspektrum:

    • Humangenetische Diagnostik

    • Pränatale Diagnostik

    • Stoffwechselerkrankungen

    • Kardiogenetik

    • Onkogenetik

    • Neurogenetik

    • Pharmakogenetik

    • Weitere spezialisierte genetische Testverfahren

    

    Labor Bruckneudorf

    Leistungsspektrum:

    • Spezial- und Routinelaboranalysen

    • Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzt:innen und Fachärzt:innen(konkretes Leistungsspektrum je nach Fragestellung)

    

    Hinweis

    Diese Speziallabore bieten ein breites Spektrum an diagnostischen Möglichkeiten und arbeiten eng mit medizinischen Fachkräften zusammen. Ziel ist eine präzise Diagnostik als Grundlage für individualisierte Therapieentscheidungen.

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Immunologische Aspekte, Autoantikörper und Apherese – Kurzüberblick Hintergrund

Bei Long COVID und ME/CFS zeigen sich häufig funktionelle immunologische Dysregulationen, die mit Routinelaborwerten nicht zuverlässig erfasst werden. Mehrere Studien deuten auf eine Beteiligung von Autoantikörpern, insbesondere gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR), hin, ohne dass bislang ein valider diagnostischer Marker etabliert ist.¹



Autoantikörper – aktuelle Evidenz

In Serumproben von Patient:innen mit Long COVID und ME/CFS wurden funktionell aktive Autoantikörper gegen β-adrenerge und muskarinerge Rezeptoren beschrieben, die mit autonomen und vaskulären Symptomen assoziiert sein könnten.²

Eine präklinische Studie zeigte, dass IgG-Antikörper von Long-COVID-Betroffenen, übertragen auf Mäuse, Schmerzempfindlichkeit und reduzierte Aktivität auslösen können.³ Diese Ergebnisse stützen eine mögliche pathophysiologische Relevanz von Antikörpern, erlauben jedoch keine direkte diagnostische oder therapeutische Ableitung beim Menschen.



Erweiterte immunologische Diagnostik

Gezielte immunologische Untersuchungen (z. B. Lymphozytensubtypisierung, ausgewählte Virusserologien, funktionelle Autoantikörper) können im Einzelfall sinnvoll sein, wenn sie:

  • auf einer sorgfältigen Anamnese beruhen

  • hypothesengeleitet eingesetzt werden

  • immer im klinischen Kontext interpretiert werden

Eine unkritische oder routinemäßige Ausweitung der Labordiagnostik ist nicht empfohlen.⁴



Immunadsorption / Apherese – Einordnung

Die Immunadsorption zielt auf die Entfernung zirkulierender Autoantikörper ab. Kleine Beobachtungsstudien bei Post-COVID-ME/CFS-Patient:innen zeigten bei einem Teil der Betroffenen symptomatische Verbesserungen nach Reduktion bestimmter Autoantikörper.⁵

Randomisierte kontrollierte Studien fehlen bislang. Aufgrund des invasiven Charakters und der begrenzten Evidenz ist die Apherese kein Standardverfahren, sondern derzeit ausschließlich als experimenteller Ansatz zu bewerten.⁶



Fazit

Die aktuelle Studienlage spricht dafür, dass Autoantikörper bei Subgruppen von Long-COVID- und ME/CFS-Patient:innen pathophysiologisch relevant sein könnten. Erweiterte immunologische Diagnostik kann zur Einordnung komplexer Beschwerdebilder beitragen, ersetzt jedoch keine klinische Beurteilung.

Therapeutische Verfahren wie Immunadsorption erfordern eine strenge Indikationsstellung und sind derzeit nicht evidenzbasiert etabliert.



Fußnoten / Literatur

  1. Komaroff AL, Lipkin WI. Insights from myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. JAMA. 2021.

  2. Wallukat G, et al. Functional autoantibodies against GPCRs in Long-COVID. J Transl Autoimmun. 2021.

  3. Chen Y, et al. IgG from Long COVID patients induces pain-like behavior in mice. Preprint 2024.

  4. National Academies of Sciences. ME/CFS: Redefining an Illness. 2015.

  5. Hohberger B, et al. Immunoadsorption in post-COVID ME/CFS. J Clin Med. 2023.

  6. Ärztezeitung. Keine ausreichende Evidenz für Immunadsorption bei Long COVID. 2023.